Emotionale Rücksichtslosigkeit – Schutz durch Abgrenzung

Die letzten zwei Wochen konnte ich nur indirekt an SeelenSternHimmel arbeiten, da mich das Leben mal wieder intensiv herausgefordert hat. Man könnte fast annehmen, es hat mich auf die Probe gestellt, inwieweit es mir schon gelingt, mich von emotionaler Rücksichtslosigkeit abzugrenzen.

Jeder kennt sicher die Situation, wenn man eigentlich genug mit sich selbst zu tun hat, dass ausgerechnet dann noch Einflüsse von außen kommen, die man eigentlich gar nicht gebrauchen kann. Plötzlich geht die Waschmaschine kaputt, eine hohe Rechnung flattert ins Haus, einfach alles geht irgendwie schief. Das sind Dinge, bei denen man denken könnte, was bin ich nur für ein Pechvogel oder, die weitaus schlimmere Variante, das Leben meint es einfach nicht gut mit mir.

Bei diesen, ich nenne es jetzt mal „sachlichen“ Dingen, ist es eher höhere Gewalt. Man kann niemanden die Verantwortung dafür geben. Wenn die Waschmaschine genau dann kaputt geht, wo es finanzielle sowieso schon eng ist, dann kann ich mich ärgern, aber ich kann mich nicht über jemanden ärgern. Anders ist es, wenn uns Menschen durch emotionale Rücksichtslosigkeit das Leben schwer machen.

Besonders problematisch wird es, wenn es Personen sind, die uns nahestehen oder mit denen wir beruflich zu tun haben, denn dann gibt es einen Verantwortlichen. Wenn die besagte Waschmaschine kaputt geht, tut das in erster Linie unserem Bankkonto weh, wenn aber jemand auf unseren Gefühlen herumtrampelt, dann tut das im Herzen oder der Seele weh. Es ist ein unsichtbarer Schmerz, den der Verursacher nicht sehen kann. Im besten Fall merkt er/sie uns mit seinen Worten oder Verhalten verletzt zu haben und entschuldigt sich. Menschen, die zu emotionaler Rücksichtslosigkeit neigen, fehlt es aber leider häufig an Feingefühl, um ihr verletzendes Verhalten zu bemerken oder es ist ihnen bisweilen auch schlichtweg egal.

Wenn man bereits mit viel emotionaler Rücksichtslosigkeit aufgewachsen ist, bekommt dieses verletzende Verhalten leider oftmals eine gewisse Normalität. Wir sind es in dem Fall quasi gewohnt. Und Gewohnheiten haben einen Automatismus, d. h. wir eignen uns ein Verhalten an, um mit diesen seelischen Verletzungen irgendwie umzugehen. Jeder hat da sicher andere Strategien entwickelt, aber aus Erfahrung kann ich sagen, dass viele in die Vermeidung, Anpassung und auch ins Aushalten gehen. Einmal kurz gesagt: man versucht es diesen rücksichtslosen Menschen irgendwie recht zu machen – und das ohne Rücksicht auf sich selbst.

Auf den Rücksichtslosen wird also Rücksicht genommen. Ich denke, daran kann man erkennen, wie absurd das eigentlich ist. Ein Außenstehender wird wahrscheinlich nur fassungslos den Kopf schütteln und die Welt nicht mehr verstehen. Wie ich bereits geschrieben haben, hat es seine Gründe, wenn Menschen sich mit emotionaler Rücksichtslosigkeit arrangieren. Dahinter stecken meist schlimme Erfahrungen und Ängste.

Ein weiteres Problem ist, dass man mit der Zeit abstumpft. Man nimmt das rücksichtslose Verhalten oftmals gar nicht mehr wahr oder empfindet es wie gesagt als normal. Hinzukommen dann meist auch noch falsche Glaubenssätze wie: ich habe es nicht anders verdient; ich darf nicht auf mich schauen, sondern muss dem anderen im Blick haben usw. Und genau das ist das Fatale. Viele Betroffene suchen dann auch noch die Fehler, Gründe, Ursachen bei sich selbst. Zum einen ist da die emotionale Verletzung des anderen, die allein schon weh genug tut und gleichzeitig spüren wir noch schmerzlich das Gefühl der eigenen Wertlosigkeit. Ein solcher Zustand ist schrecklich, also werden wir in Zukunft versuchen, eine solche Situation tunlichst zu vermeiden. Willkommen im Teufelskreis.

Wie man vielleicht schon merkt, ist es nicht leicht, sich aus diesem Kreislauf zu befreien. In meiner Folge „Veränderungen“ gehe ich ausführlich darauf ein, warum es so schwer ist, Veränderungen herzustellen und wie es gelingen kann, aus alten Verhaltensmustern auszubrechen.

Ich war in letzter Zeit auch wieder mit extremer emotionaler Rücksichtslosigkeit konfrontiert. Aber diesmal habe ich es geschafft, mich mich wirklich vollständig abzugrenzen! Was soll ich sagen, es war/ist eine sehr einprägsame Erfahrung gewesen. Sonst bin ich immer darauf bedacht, den anderen im Blick zu haben, doch diesmal habe ich an mich gedacht. Ich habe keine Rücksicht auf den Rücksichtslosen genommen, sondern geradeheraus meine Meinung gesagt. Es war/ist mir egal, welche Emotionen ich bei bei dem anderen auslöse, denn diesmal waren mir meine eigenen Emotionen wichtiger.

Mein Fazit aus den letzten Wochen: Abgrenzung ist ein ganz wichtiger Schutz bei emotionaler Rücksichtslosigkeit. Man muss auf sich und die eigenen Gefühle achten. Wenn man nämlich beginnt, zu sich selbst zu halten, löst die Verletzung des Gegenübers eher Wut als Traurigkeit aus, und in dem Moment, wo ich an mich denke, fange ich ganz automatisch an, mich zu schützen.

So viel zu meiner inneren Arbeit, aber ich war auch noch mit einer anderen Sache beschäftigt, die ich demnächst hier vorstellen werde.

Teilt mir doch gerne eure Erfahrungen mit. Wie geht ihr mit emotionaler Rücksichtslosigkeit um?

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